Spekulationsobjekte beschlagnahmen statt Turnhallen belegen
© Roland Hägele
Aktive aus Mieterinitiativen, Mietertreff Ost und der Gruppe Leerstandsmelder fordern mit einer Aktion am 19.10.2015 die Beschlagnahme der Haussmannstr. 4 – 6 und weiterer Leerstände

Stuttgart, 21.10.2015 von Ursel Beck In der Haussmannstraße 4 – 6 in der Stuttgarter Innenstadt steht schon seit zwei Jahren ein sehr großes Gebäude leer. Ein Teil des Hauses ist ein typischer Altbau. Er wurde mit Sicherheit als Wohngebäude gebaut und irgendwann in ein Büro umgewandelt. Der Großteil des Gebäudes war von Anfang an Büro.  Das Haus hat eine hervorragende Bausubstanz. Es gibt 100 große Zimmer, Aufzüge, auf jedem Stock eine Küche, zusätzliche Behinderten-WCs. Hier könnten mehr als 100 Menschen barrierefrei wohnen. Doch die Bietigheimer Wohnbau will das Gebäude abreissen und zirke 20 „exklusive Eigentumswohnungen“ bauen. Dagegen haben Aktive aus den Mieterinitiativen Stuttgart, dem Mietertreff Ost und der Gruppe Leerstandsmelder am 19.10.2015  protestiert. Ihr Motto: „Spekulationsobjekte beschlagnahmen statt Turnhallen belegen“.  Unterstützt wurde die Aktion von der Gemeinderatsfraktion SÖS-LINKE-Plus. So zum Beispiel von Stadtrat Tom Adler mit einem yourtube-Video

MontagsdemoteilnehmerInnen solidarisch

Der Fraktionsvorsitzende Hannes Rockenbauch informierte in seiner Rede bei der Montagsdemo gegen Stuttgart 21 über die Aktion und forderte die MontagsdemoteilnehmerInnen auf  nach der Demo zur Unterstützung der Aktion in die Haussmannstraße zu gehen. Während an dem Gebäude ein riesiges Transparent mit der Aufschrift „100 leerstehende Zimmer – sofort beschlagnahmen für Wohnungssuchende, Geflüchtete, Studierende“  neben dem Werbeplakat für „Exklusive Eigentumswohnungen“ gehängt wurde, verteilten andere Aktive 1.000 Flyer bei der Montagsdemo. Nach der Montagsdemo schwoll der Kreis der Demonstranten vor dem Gebäude auf 80 Menschen an. An Passanten wurden Flyer verteilt. Viele erklärten ihr Unverständnis über den Leerstand und den Bau von exklusiven Eigentumswohnungen. Vor dem Haus fand eine kurze Kundgebung statt mit Reden von Aktiven aus Mieterinitiativen und der Gruppe Leerstandsmelder. Hier wurde nochmals über den Zustand des Gebäudes informiert und die Forderung erhoben das Gebäude für Wohnzwecke zu beschlagnahmen. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass das Haus kein Einzelfall, sondern exemplarisch  für sehr viele von ähnlichen Gebäuden in Stuttgart ist. Es wurde dazu aufgerufen die SWSG-Mieterinitiativen im Kampf gegen die geplante Mieterhöhung zu unterstützen und dafür zu einer Protestkundgebung am 27.10. um 17.30 Uhr vor das Rathaus zu kommen. Die Anwesenden wurden aufgefordert Leerstände zu melden auf www.leerstandsmelder.de/stuttgart .Stadtrat Christian Walter erklärte in einem kurzen Grußwort die solidarische Unterstützung der  Fraktion SÖS-Linke-Plus für die Aktion.

Leerstand bekämpfen statt Flüchtlinge


In Stuttgart stehen nach offiziellen Zahlen 11.400 Wohnungen und 283.000 Quadratmeter Büroflächen leer. Hinzu kommen tausende leerstehende sonstige Laden- und Gewerbeflächen.
Würde nur die Hälfte der leerstehenden Wohnungen belegt und die freien Büroflächen zu Wohnzwecken umgebaut, könnten in Stuttgart mindestens 30.000 Menschen zusätzlich ein Dach über dem Kopf bekommen ohne dass eine einzige Wohnung neu gebaut werden müsste.
Die Stadt könnte den Leerstand beschlagnahmen. Und das wäre dringend nötig um die 4.000  dringend Wohnungssuchenden in der städtischen Vormerkdatei zu versorgen.  Es wäre auch nötig um die wachsende Zahl der Studierenden unterzubringen. Und es wäre auch nötig, um den Flüchtlingen eine Bleibe zu geben. Stattdessen will die Stadt  83 Millionen Euro ausgeben um 4.000 Flüchtlinge für zwei Jahre  in sogenannten Systembauten in isolierten Gebieten einzuquartieren. Zusätzlich werden Turnhallen mit Flüchtlingen belegt. Einer facebook-Teilnehmerin hat das „Team Fritz Kuhn“ folgendes geschrieben: „die Stadt teilt die Ansicht von Stadtrat Adler nicht. Das Gebäude in der Hausmannstraße war ein Büro. In Büros kann und darf man nicht wohnen.Es fehlt  nur noch der Zusatz: „Bei Turnhallen ist das anders. Sie sind Multifunktionsräume. Deshalb können und dürfen Flüchtlinge hier wohnen.“
Die Haussmannstraße 4 –6 zeigt:  das Problem sind nicht die Flüchtlinge. Das Problem ist der die Spekulation mit Immobilien und Politiker, die mit der Immobilienwirtschaft verfilzt sind. Das muss gerade in Zeiten von wachsendem Rassismus deutlich gemacht werden.  Nicht nur in Stuttgart.