Wohnungsnot in Stuttgart
Mieterinitiative Stuttgart Ost wehrt sich

Stuttgart, 21.10.2015, L.K. Die Wohnungsnot von Gering- und Normalverdienern, Studierenden und nun vermehrt auch von Flüchtlingen in Stuttgart verschärft sich seit Jahren eklatant. Trotz dieses Notstands förderte die Stadt Stuttgart im Jahr 2014 nicht eine einzige Sozialwohnung im Bau. Vielmehr wird bisher erschwinglicher Wohnraum zunehmend luxussaniert und zu horrenden Preisen vermietet oder verkauft, oder gleich abgerissen - zugunsten exklusiv-teurer Eigentumswohnungen.
Diesem Trend soll nun auch ein substanziell gutes Wohngebäude in der Klingenstr.101-105 in Stuttgart Ost zum Opfer fallen. Der Bau- und Wohnungsverein Stuttgart will das Gebäude abreißen und durch einen Neubau ersetzen, was er ursprünglich mit schlechter Bausubstanz begründete. Ein von den Mieterinitiativen in Auftrag gegebenes Gutachten entkräftete dieses Argument; die anderen Gebäude dieses Ensembles aus dem gleichen Baujahr waren vom Bau- und Wohnungsverein auch bereits vorbildlich saniert worden.


Nach Vorlage dieses Gutachtens plant der Bau- und Wohnungsverein jetzt dort den Bau eines Wohnheims mit 78 Wohneinheiten, welches an ein Sozialunternehmen vermietet werden soll, das migrantische Azubis betreut und die Zimmer an diese vermieten würde.
Diese Zimmer sollen voraussichtlich zu Tagespauschalen von 20 - 24 € vermietet werden, d.h. für ein 20 qm-Zimmer wäre eine Monatsmiete zwischen 600 € - 720 € fällig! Also weit mehr, als ein Auszubildender im Monat in der Regel verdient.
Die Mieterinitiative Ost kritisiert, dass der Verein sich durch den größeren Neubau und die anschließende Vermietung an ein Sozialunternehmen viel höhere Mieteinnahmen als bisher für die nächsten 25 Jahre sichern will. Hinzu komme, dass die Klingenstraße als Sanierungsgebiet ausgewiesen ist, was zur Folge hat, dass der Bau- und Wohnungsverein sich die Kosten für den Abriss der gut erhaltenen Wohnungen von staatlicher Seite erstatten lassen kann. Die wirtschaftlichen Interessen, um die es hier in erster Linie gehe, sind für die Intiative nicht akzeptabel. Sie bemerkt dabei auch ein „besonderes Geschmäckle", da der stellvertretende Bezirksvorsteher von Stuttgart Ost, Thomas Schneider-Graf (Bezirksbeirat und Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen), den Abriss der Wohnungen verteidigt - und gleichzeitig beauftragter Architekt des Neubaus ist. Sie fordert die Sanierung bzw.Instandhaltung des Gebäudes zu weiterhin günstigen Mieten. Dafür wurden in kurzer Zeit bereits über 500 Unterschriften gesammelt.