1.Sommerfest der Aidshilfe Stuttgart
© Roland Hägele
„Genieß im Kleinen all das Schöne“
Stuttgart, 28.8.2015, L.K. „Auf dass Dich Himmelblau und Sonnengelb verwöhne - genieß im Kleinen all das Schöne“ - unter diesem Motto fand heute das 1.Sommerfest der Aidshilfe Stuttgart bei schönstem Sommerwetter im Stuttgarter Westen statt. Auf der Johannesstrasse waren Bierbänke, ein Infotisch und ein Gastronomiestand aufgebaut; die Stuttgarter Gastronomin Conny Weitmann hatte sofort zugesagt, die kulinarische Versorgung zu übernehmen, obwohl in Anbetracht des doch eher ruhigen Festverlaufs und überschaubarer Besucherzahlen mit einem Verdienst hier nicht zu rechnen war. Die gute Sache wollte sie trotzdem gerne unterstützen.


Auch die Musiker traten ohne Gage auf, am Nachmittag der begabte junger Saxophonist Nico Theodossiadis, danach das Duo Bernd Palm (von der DAK) und Ulf Leuker (Vorstand des schwullesbischen Zentrums Weißenburg) mit einem breitgefächerten Repertoire. Ulf Leuker hatte auch die Musikanlage in Privatinitiative zur Verfügung gestellt und angeliefert.
Seit ihrem Bestehen veranstaltet die Aidshilfe Stuttgart jährlich eine Weihnachtsfeier, in diesem Jahr wird diese erstmals durch ein Sommerfest abgelöst, da man das jährliche Event gern in den eigenen Räumen bzw. in unmittelbarer Nähe begehen will, die Räumlichkeiten aber für ein Fest in den Innenräumen zu klein sind. Die Stadt Stuttgart stimmte ohne Zögern dem geplanten Straßenfest zu, worüber die Aidshilfe sich sehr freute, da es ihr ein Anliegen ist, auch die Anwohner miteinzubeziehen und möglicherweise vorhandene Hemmschwellen abzubauen. Und so fanden sich auch tatsächlich etliche Nachbarn beim Straßenfest ein und hinterließen auch die ein oder andere Spende.


Spenden sind natürlich willkommen, auch wenn die schlimmsten finanziellen Probleme inzwischen überwunden sind. Wie Geschäftsführer Franz Kibler (Sozial- u.Verhaltenswissenschaftler) berichtet, wird die Aidshilfe Stuttgart vom Land Baden-Württemberg mit 50.000 EUR jährlich und von der Stadt Stuttgart mit 260.000 - 270.000 EUR jährlich unterstützt, außerdem hat sie Einnahmen aus Honorarleistungen, die sie erbringt. Diese Gelder ermöglichen die Besetzung von 3,5 Fachkraftstellen, die Bezahlung der Miete für die Geschäftsräume und alle anfallenden Unkosten. Ohne die rund 120 ehrenamtlichen Mitarbeiter, die sich je nach Zeit und Möglichkeit einbringen, wäre die Arbeit der Aidshilfe aber wohl kaum möglich. Sie helfen Betroffenen bei der Bewältigung des Alltags, beraten bei Überschuldung, gehen in Szene- und Schwulenclubs, um zu informieren, verteilen Flyer und Kondome, verkaufen Kuchen an Infoständen usw. Jährlich betreuen sie ca. 320 Klienten, wobei der Schwerpunkt auf psychosozialer Betreuung liegt. Nach Einschätzung von Franz Kibler ist die Angst vor Aids spürbar zurückgegangen, da es zwischenzeitlich Medikamente gibt, die den Erkrankten ein gutes Leben mit wenig Nebenwirkungen ermöglicht, und sich niemand mehr ängstigen muss, an Aids zu sterben. Entsprechende Medikation verhindert sogar, dass der Infizierte das Virus weitergibt; dennoch leiden Infizierte unter der gesellschaftlichen Stigmatisierung, die die Diagnose Aids mit sich bringt, und unter den Problemen, die sich damit im persönlichen Leben und in Beziehungen ergeben.


Aufgrund der guten Behandlungsmöglichkeiten von Aids habe auch wieder eine gewisse Sorglosigkeit im Umgang mit diesem Thema Einzug gehalten. Dem will die Aidshilfe mit Informationspolitik und -aktionen entgegenwirken.
Laut Kibler gab es in Stuttgart 2014 63 Fälle von Neuinfektion, dieser Wert ist in Stuttgart seit einigen Jahren stabil, obwohl die Zahl der Neuinfektionen bundesweit wieder steigt. Die steigende Zahl der Migranten könnte seines Erachtens dazu beitragen, aber eben auch die wachsende Sorglosigkeit Aids gegenüber.

Bild: Johanna Tiarks-Landtagskandidatin der DIE LINKE im

angeregten Gespräch mit Franz Kibler.