Karawane des Wandels
© Roland Hägele
Mother Hood e.V. schlägt Alarm
Stuttgart, 12.7.2015, L.K. Unter dem Motto „Karawane des Wandels“ zog gestern ein bunter Demonstrationszug, der sich aus vielen Gruppen mit den verschiedensten gesellschaftspolitischen Anliegen zusammensetzte, vom Bismarckplatz im Westen zum Stuttgarter Schillerplatz. Mit dabei auch AktivistInnen des Mother Hood e.V., ein Verein, der aus der 2014 gegründeten Elterninitiative „Hebammen-Unterstützung“ hervorging. Eltern, Hebammenschülerinnen und UnterstützerInnen setzen sich für den Erhalt des Hebammenberufs und eine Neuausrichtung der Geburtshilfe und Schwangerenbetreuung ein.


Nachdem seit dem 1.7.2015 die Haftpflichtversicherung für freiberufliche Hebammen erneut auf nun 6.200 EUR jährlich gestiegen ist, ist ein Fortführen der Hebammentätigkeit ohne eine angemessene Erhöhung ihrer Vergütung nicht mehr möglich. Werdende Mütter haben einen gesetzlichen Anspruch auf Versorgung durch eine Hebamme und ihre Anwesenheit während der Entbindung, doch wie diese Versorgung weiterhin gewährleistet werden kann, ist fraglich, vor allem, wenn sich kein neuer Versicherer findet. Die letzten beiden haben den freiberuflichen Hebammen auf Juli 2016 gekündigt.


Die gesetzlichen Krankenkassen wollen erstmals aus der umfassenden Versorgung der Frauen mit Hebammenhilfe aussteigen, dies wurde im April 2015 bekannt. Nach dem Willen des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen (GKV-SV) dürfen Frauen sich künftig nur noch unter bestimmten Voraussetzungen für eine außerklinische Geburt auf Kassenleistung entscheiden. Das Überschreiten des errechneten Geburtstermins um bereits einen Tag (ET+1) ist dabei laut dem Deutschen Hebammen Verband (dhv) eines der umstrittensten Kriterien, da der GKV-SV in einer vom ihm selbst durchgeführten Studie feststellte, dass außerklinische Geburten sicher sind.
Bei Kosten von 1.000 bis 1.500 EUR für eine außerklinische Geburt wird die Wahlfreiheit des Geburtsortes nun auch eine Frage des persönlichen Geldbeutels.


Die Verhandlungen zwischen dem GVK-SV und dem dhv sind nun bei der Schiedsstelle gelandet, während die Situation für schwangere Frauen immer beklemmender wird. Sie sind auf die Begleitung einer Hebamme angewiesen, wissen aber bald nicht mehr, wer sie während der Geburt und im Wochenbett begleiten wird. Sich mit Wehen in eine Schlange von wartenden Gebärenden einzureihen, wie es die gestrige Straßenaktion zeigte, kann keine Lösung sein.
Die DemonstrantInnen verstehen eine 1:1-Betreuung während der Geburt, die Vor- und Nachsorge durch freiberufliche Hebammen und eine selbstbestimmte Geburt als Frauen- und Elternrechte und fordern einen gemeinsamen Haftungsfond für alle Gesundheitsberufe als Lösung für die Haftpflichtproblematik.
Unterstützt in ihren Forderungen wurden sie von den anderen TeilnehmerInnen der „Karawane des Wandels“.