Tierschutz-Demo
Stoppt das Töten von Straßenhunden
Stuttgart, 18.4.2015, L.K. Mehrere hundert Tierschützer fanden sich heute nachmittag auf dem Schlossplatz ein, viele von ihnen in Begleitung ihrer Hunde - ein reges Wuffen, Schnuffeln und Wedeln fand unter den Vierbeinern statt; vom Mops bis zum kalbsgroßen Mastiff, der sich begeistert durch die Menge schmuste, war alles vertreten.
An mehreren Ständen lag Informationsmaterial über das Schicksal der Straßentiere in europäischen Ländern aus; der Schwerpunkt der heutigen Veranstaltung lag auf den skandalösen Vorgängen in Rumänien, wo Hundefänger wahllos Hunde - auch solche, die als Haustier gehalten werden - gegen eine Fangprämie von 50 EUR pro Hund einfangen und im Tierheim abliefern. Diese Tierheime sind in vielen Fällen Tötungsanstalten, in denen die Hunde vor ihrer Tötung Hunger und Durst leiden und unter grausamen Bedingungen ihr Dasein fristen müssen.


Als erste Rednerin wies Petra Zipp von der Tierrechtsinitiative Tasso e.V. auf die mafiösen Strukturen hin, die sich in Rumänien im Zusammenhang mit dem Einfangen und Töten von Straßenhunden etabliert haben. Da aufgrund der Fangprämie, die von den Behörden gezahlt wird und die mit 50 EUR pro Hund im Vergleich zum Durchschnittsverdienst eines Rumänen von 500 EUR sehr hoch ist, viele Leute sich an diesem Vorgehen bereichern, treffe man überall in den Behörden auf taube Ohren, wenn man die Situation für die Tiere verbessern wolle. Auch rumänische Tierärzte haben laut Petra Zipp inzwischen ihren Verdienst daran gefunden, da sie die offizielle Registrierung von Haustier-Hunden an sich gezogen haben, diese aber zu Preisen durchführen, die sich die meisten Rumänen nicht leisten können. Unregistrierte Hunde wiederum können jederzeit von Hundefängern abgegriffen werden, auch wenn sie in Begleitung ihres Besitzers sind.


Als zweiter Redner trat der engagierte rumänische Tierschützer und Partner von Tasso e.V. in Rumänien Claudiu Dumitriu auf, dem von der Tierschützer-Initiative Stuttgarter Simmen für Streuner ein Scheck über 1.930 EUR überreicht wurde, die über eine Facebook-Spendenaktion gesammelt wurden. Er berichtet, dass die Presse in Rumänien seit einigen Jahren eine Kampagne fährt, die alle Straßenhunde zum größten Feind der Rumänen erklärt, so dass zwischenzeitlich schon Kinder Angst vor ihnen haben und sie als Feindbild betrachten. Seiner Meinung nach sind Demonstrationen gegen das wahllose Töten von Straßentieren in Rumänien wichtig, um der dortigen Regierung zu verdeutlichen, dass dieses Vorgehen im Ausland Beachtung und negative Resonanz findet. Er erhalte immer wieder Drohungen und habe das Gefühl, inzwischen mehr Freunde im Ausland als in seiner Heimat Rumänien zu haben.
Dumitriu berichtet, dass Vereinen, die Straßenhunde kostenlos kastrieren wollen, die Genehmigung von den Behörden dafür verweigert wird, da es lukrativer für sie ist, die Hunde einzufangen und zu töten. Die Partei des derzeitigen Staatschefs Iohannis habe im Wahlkampf den Tierschützern viele Versprechungen gemacht, doch nichts davon würde nun eingehalten. Es gebe zwar gesetzliche Standards für die Unterbringung von Tieren in Tierheimen, die jedoch regelmässig nicht beachtet würden. Vielmehr würden Menschen, die sich für die Rechte von Straßentieren einsetzen, als Straftäter behandelt. Davon weiß er ein eigenes Lied zu singen, denn er wurde wegen scharfer Kritik, die er an einem Hundefänger übte, angeklagt und nur deshalb freigesprochen, weil es seine erste „Straftat“ war. Bei „Wiederholungstaten“ drohe ihm sogar eine Gefängnisstrafe.
Da in Deutschland die Rede davon ist, dass die Tötung von Straßentieren in Rumänien mit EU-Geldern finanziert wird, stellt er richtig, dass EU-Gelder für kommunale und soziale Projekte wie Straßenbau, Gesundheitswesen etc. nach Rumänien fliessen, keinesfalls für das Einfangen und Töten von Tieren. Die dadurch frei werdenden rumänischen Gelder werden dann allerdings u.a. für diese Tiertötungsprogramme verwendet, was wiederum ohne die EU-Gelder nicht möglich wäre.
Dazu berichtet als dritter Redner Stefan Eck, EU-Parlamentarier, dass sich zwischenzeitlich 100 der insgesamt 751 EU-Parlamentarier für Tierrechte einsetzen. Das ist in Anbetracht von ca. 25.000 Lobbyisten, die in Brüssel den 751 Parlamentariern gegenüberstehen, sicher ein großer Erfolg. Erstmals hat mit der Linksfraktion des EU-Parlaments (52 Mitglieder) eine ganze Fraktion eine Protestnote nach Bukarest geschickt und sich gegen die dort gängige Praxis ausgesprochen.


Am 2.2.15 reichte Stefan Eck das offizielle Gesuch der Intergroup for Animal Welfare and Conversation auf ein Treffen mit Staatsoberhaupt Klaus Iohannis im Präsidialamt Rumäniens ein. Der Staatschef ließ wissen, er habe leider keine Zeit, es könne jedoch ein Gespräch mit seinem Berater stattfinden. Ein Termin wurde bisher noch nicht vereinbart.
Nach der Auffassung von Stefan Eck ist es die größte Ungerechtigkeit auf Erden, dass Tiere von Menschen misshandelt, geqäult und für kommerzielle Zwecke missbraucht werden. Er plädiert für Gesetze, die den Tierschutz sicherstellen, und dies nicht nur im Interesse der Tiere, sondern auch im Interesse der Menschen. Jeder Europäer sollte ein Recht auf ein Leben in einem zivilisierten Europa haben, in dem es keine Hundemassaker gibt. Das sei in Anbetracht der vielfältigen finanziellen Interessen, die sich um dieses Thema ranken, sehr schwierig. Sein Credo ist daher: Steter Tropfen höhlt den Stein! Präsident Iohannis soll das Hundetöten beenden!
Eck ist nicht nur Tierschützer, es geht ihm um die Zukunft der Menschheit, die auf der Erde nur dann stattfinden kann, wenn der Mensch mit der Natur sorgsam umgeht. Dieser sorgsame Umgang umfasst sowohl den Umgang mit Tieren, als auch den mit der Umwelt, und leider werde mit Beidem derzeit verantwortungslos umgegangen.