Stuttgarter Stimmen für Streuner - das Original
Veruntreuung von EU-Geldern in Rumänien?
Stuttgart, 24.1.2015, L.K. Sie nennen sich „Stuttgarter Stimmen für Streuner“ - eine Handvoll Leute, die sich in Stuttgart für den Tierschutz stark machen, ganz besonders für den Schutz rumänischer Straßentiere. Heute demonstrierten sie auf dem Schlossplatz gegen den unmenschlichen Umgang mit diesen Tieren und forderten die EU auf, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Was sie zu berichten haben, ist schier unfassbar in seiner Grausamkeit und Korruption.


Vorab einige Auszüge aus einem Bericht von Gunnar Höhne (Mitglied der Stuttgarter Simmen für Streuner) von seiner Rumänienreise im April 2014. Er besuchte dort einen öffentlichen Shelter in Buzau, in dem eingefangene Straßenhunde gefangen gehalten werden: „…die Zwinger sind voll von Kot, Urin, verfaultem Essen und von toten Hunden, die so wie es aussieht schon von den hungrigen Hunden angefressen wurden. Die Hunde sind von Kot, Blut und Urin so verdreckt und mit Narben übersät, die, die noch laufen können, stehen an den Gittern und bellen einen flehend an. … die Wassernäpfe sind total verdreckt, es sieht nicht so aus, als ob da in der letzten Zeit Wasser drin war. Wir fragten die Mitarbeiter, ob wir die Näpfe mit Wasser füllen dürfen, das wurde uns aber strikt verboten.“ Ähnlich und noch entsetzlicher geht es in seinem Bericht weiter. Die Qualen, die die Tiere aushalten müssen, sind unvorstellbar.


Auf der Internetseite von Gunnar Höhne erfährt man mehr über die Hintergründe des grausamen Umgangs der Rumänen mit den Straßenhunden - nicht zuletzt habe er finanzielle Gründe. Aus EU-Steuergeldern stehen in der Hauptstadt Bukarest Tierschutzbehörden wie der ASPA seit Ende 2013 etwa 4 Millionen Euro, zuvor ca. 600.000 EUR zur Verfügung. Das Geld soll u.a. in Tierheime für die Unterbringung und Kastration der Tiere fliessen. De facto lande es seit Jahren aber auf den Privatkonten einflussreicher Politiker und ihrer Mitarbeiter.
So prangert Höhne auch die Tierschutzorganisation ASPA an, die u.a. die Regel aufgestellt hat, dass jede Form von Widerstand oder Aktion gegen die ASPA-Hundefänger mit ca. 1000 EUR bestraft wird. Um einen Hund aus einem Zwinger herauszuholen oder einen Hund in einem der Zwinger zu adoptieren, müssen ca. 60 EUR bezahlt werden, eine Summe, die für Rumänen nicht aufzubringen sei.


Die rumänischen Kommunen erhalten bis zu 250 EUR für die Versorgung eines Straßenhundes, der eingefangen wurde, um seine Verpflegung und Kastration zu finanzieren. Nach Angaben von Tierschützern werden die Tiere jedoch teils direkt an Ort und Stelle brutal ermordet, die Prämie gibt es dann, wenn ein anerkanntes Tierheim offiziell bestätigt, dass der Hund entweder tot oder im Tierheim untergebracht ist. Im Tierheim würden die Tiere jedoch weder ernährt noch versorgt, sondern unter bestialischen Umständen gefangen gehalten. Wenn sie dort nicht elend verenden, würden sie wieder auf die Straße gesetzt, um sie danach erneut einfangen und die Prämie noch einmal kassieren zu können. Dieser Kreislauf wiederhole sich, bis die arme Kreatur tot ist.
Darüber hinaus sollen in den Tierheimen Hunde sogar extra gezüchtet werden, um sie danach auszusetzen und wieder einzufangen, und dann das Kopfgeld zu kassieren.


Wie Stephan Steiner von den „Stuttgarter Stimmen für Streuner“ heute auf der Demo berichtete, fand am letzten Wochenende zeitgleich mit der CMT dort eine Mahnwache der Tierschützer statt, während der sie den unmenschlichen Umgang mit Straßentieren in vielen Ländern, beispielsweise in Griechenland, Bulgarien, Spanien, Italien, Portugal und ganz besonders in Rumänien anprangerten. Diese Länder werben dort für Tourismus und präsentieren sich weltoffen und modern, während es in Wirklichkeit so sei, dass vor allem in Rumänien ausser Korruption gar nichts funktioniere und dem bis heute unzählige Hunde zum Opfer fielen.
Er appellierte an die ZuhörerInnen, sich vor der Buchung einer Urlaubsreise beim Reisebüro zu erkundigen, ob es im entsprechenden Reiseland Kastrationsaktionen gebe, die beweisbar sind. Sollten solche Aktionen nicht nachgewiesen werden, solle man von einem Urlaub in diesem Land Abstand nehmen. Dies sei ein Mittel, mit dem jeder Einzelne Druck auf die Regierungen der Länder ausüben könne, damit diese sich um eine ordnungsgemäße humane Behandlung von Straßentieren bemühen.
Ferner hob er die Arbeit des Tierärztepools vom Verein Arche Noah Kreta hervor, der effizient und hochqualifiziert arbeite. Der Spendenerlös der heutigen Veranstaltung geht an diese Vereinigung.
Zum Abschluss seiner Rede forderte Steiner eine einheitliche EU-weite Richtlinie über den Umgang mit Straßentieren, sowie eine strenge Kontrolle der Mittelverwendung und ein Abstellen der Zuflüsse dieser Mittel in korrupte Strukturen. Und schließlich forderte er eine humane und nachhaltige Lösung des Problems durch kastrieren statt töten.