Kurden demonstrieren in Stuttgart
Solidarität mit den Menschen in Kobane!

Stuttgart, 7.10.2014, L.K. Wie in vielen europäischen Städten haben auch in Stuttgart bereits in der vergangenen Nacht und am heutigen Tag Kurden auf dem Schlossplatz demonstriert, um die Welt auf das befürchtete Massaker in Kobane aufmerksam zu machen und zur Solidarität mit ihren bedrohten Landsleuten aufzurufen. Kobane ist die kurdische Hochburg in Rojava, einer hauptsächlich von Kurden bewohnten Region im Norden Syriens. Die Stadt wird seit mehreren Wochen von Truppen des IS (Islamischer Staat) angegriffen, inzwischen sind zehntausende Menschen über die Grenze in die Türkei geflohen. Die IS-Milizen sind mit modernsten Waffen ausgerüstet, die sie u.a. von der irakischen Armee erbeutet haben, so dass sie in den letzten Monaten ihr Einflussgebiet stark ausdehnen konnten. Für die ethnisch und religiös vielfältige Bevölkerung Syriens und des Irak hat dies zu Folter, Flucht und Massakern geführt.
In der Region Rojava findet seit dem Beginn des Bürgerkriegs in Syrien, in dessen Verlauf sowohl die Regierungstruppen Assads als auch islamistischer Verbände wie „Al Nusra“ verjagt wurden, ein Aufbau eigener basisdemokratischer Selbstverwaltungsstrukturen statt, an dem neben den KurdInnen alle ethnischen und religiösen Minderheiten beteiligt sind. Sowohl gesellschaftlich emanzipatorische Schritte als auch die Befreiung der Frauen aus patriarchalen Zwängen ist ein Ziel dieser Bewegung, auch arbeitet man auf eine Kollektivierung der Wirtschaft hin. Die Verteidigungseinheiten YPG und YPJ versuchen seither, dieses demokratische Projekt zu schützen, und befinden sich von Beginn an im erbitterten Widerstand gegen die IS-Milizen.
Gestern Abend drangen die IS-Truppen nun in den Ostteil der Stadt ein, wo es bereits zu Häuserkämpfen kam. Es ist ein Kampf um Leben und Tod und bisher gelang es den KämpferInnen, ihre Stadt gegen die islamisch-faschistischen Terrormilizen des IS zu verteidigen. An der Grenze zwischen der Türkei stehen tausende Menschen und demonstrieren ihre Solidarität mit dem Kampf der Kurden. Sie werden jedoch von der türkischen Armee daran gehindert, den Widerstandskampf zu unterstützen. Sie verhindert nach Angaben des Stuttgarter Komitees „Solidarität mit Rojava!“ auch, dass Verletzte in türkischen Krankenhäusern behandelt werden. Demnach unterstützt die türkische Regierung die IS u.a. mit Waffen und schafft für sie freien Zugang von und nach Syrien und in den Irak. Sie behindere durch Polizei- und Militäreinsätze den Kampf der Kurden, internationale Hilfsgüter bleiben an der türkisch-syrischen Grenze stecken. Mit der Errichtung einer sog. „Pufferzone“ wolle sie den Kampf der Kurden behindern und unterdrücken.
Die im Ausland lebenden Kurden gehen deshalb in Frankreich, Belgien, Holland, Schweiz, Schwede, Österreich, Deutschland und in allen größeren Städten der Türkei und Nordkurdistan auf die Strasse. In Stuttgart wurde aktuell eine Dauermahnwache des Mesopotamischen Kulturvereins aufgebaut, die zur Solidarität mit Rojava aufruft und sich für das Recht der Kurden auf Selbstbestimmung einsetzt.