Mangelware bezahlbare Wohnungen
Wo sind eigentlich all die geräumigen
Altbauwohnungen geblieben

Stuttgart, 12.6.2014 / Liane Krusche. Wo sind eigentlich all die geräumigen
Altbauwohnungen geblieben, die man früher in Stuttgart zu vernünftigen Preisen mieten oder kaufen konnte? - Es gibt sie noch, allerdings in aufwendig saniertem Outfit, wärmegedämmt, mit Marmorböden oder Parkett veredelt, bezahlbar nur noch von Besserverdienern. Seit einigen Jahren boomen die Altbausanierungen, und man kann sicher nicht leugnen, dass die eine oder andere „alte Hütte“ so eine Sanierung dringend nötig hatte. Wenn ich durch Stuttgarts Strassen gehe, sehe ich an jeder Ecke diese meist wunderschön sanierten alten Häuser, die billig aufgekauft, mit allen Schikanen ausgestattet und dann für teures und teuerstes Geld wieder verkauft werden - ein Geschäftszweig, der Millionen einbringt.
Als Konsequenz dieser Wohnungspolitik verändert sich das Gesicht der Straßenzüge, die noch vor wenigen Jahren von einfachen Angestellten und Arbeitern bewohnt waren. Wo früher Familienkutschen und ältere Autos dominierten, kann man inzwischen auf eigens ausgebauten Stellplätzen Luxuslimousinen bewundern, abends wird einem der Blick in
durchgestylte Designerwohnungen gewährt, die - noch - fremdartig in ihrer Umgebung anmuten. Wo noch vor kurzem Kinder auf der Straße spielten, werden Zäune gezogen, Bewegungsmelder installiert, die auf jedes Eichhörnchen reagieren und die Umgebung wie von Geisterhand immer wieder in helles Licht tauchen. Eine fremde Welt entsteht da
gerade überall in Stuttgart, teuer und elitär. Schaut man sich einmal auf dem Wohnungsmarkt um, stellt man fest, dass 3-Zimmer-
Wohnungen unter einer monatlichen Kaltmiete von 1.000 EUR kaum noch zu haben sind. Da frage ich mich, wo zukünftig all die Klein- und Normalverdiener wohnen werden, die sich diese Mieten nicht mehr leisten können. Die Löhne steigen bei Weitem nicht in dem Maß wie die Mieten, sie fallen vielmehr beständig und können mit der Inflation schon seit
Längerem nicht mehr mithalten. Wo also wird der gering- und normalverdienende Stuttgarter in Zukunft bezahlbaren Wohnraum finden? Am Stadtrand? Nein, auch dort stehen bereits große schöne Häuser, die ein Arbeiter oder mittlerer Angestellter nicht finanzieren kann. OB Kuhn hat ein Bündnis für Wohnen angekündigt, 1035 neue Sozialwohnungen seien machbar, sagt er. Wie machbar sie wirklich sind, wird die Zukunft zeigen. Sicher ist aber, dass weitaus mehr als 1035 Familien bezahlbare Wohnungen in Stuttgart suchen werden.