Benefizkonzert im LKA Wangen
Zahlreiche S21-Gegner aller Altersklassen trafen sich am Samstagabend im Club LKA-Longhorn in Stuttgart-Wangen, wo die erste Veranstaltung „Rock gegen Stuttgart 21“ unter Mitwirkung zahlreicher Bands stattfand. Mitveranstalter waren weitere Clubs wie „Dieselstraße“ (Esslingen) und „Die Röhre“ (Stuttgart). „David Hanselmann & Band“, eine altbekannte Stuttgarter Rockband, machte den Anfang und brachte die Besucher in Stimmung. Ihnen folgten „Dr.Drunk n Stoned“, „The Savants“, „The Jack“ und andere. Zwischendurch erklangen mehrere „Schwabenstreiche“ und immer wieder „Oben-Bleiben“- und „Mappus-weg“-Rufe. Bei allem Festivalflair blieb es dennoch eine politische Widerstands-Veranstaltung; in den Umbaupausen kamen Redner zu Wort, die sich zum Thema Demokratieverständnis und zu den weiteren Widerstandsaktionen äußerten, die nach erfolgtem Schlichterspruch von Dr.Heiner Geissler geplant bzw. noch zu planen sind. Denn dass nach Ende der Schlichtungsgespräche ein Baustopp in Sicht wäre, glaubt keiner der Projektgegner. Auch optisch bot das Publikum ein etwas anderes Bild, als es bei Rockkonzerten sonst üblich ist. Viele Besucher trugen T-Shirts mit Aufdrucken wie „Parkschützer“, und statt Modeschmuck dominierten Buttons mit verschiedensten Motiven - allesamt gegen S21 gerichtet.
Henning Zierock, Musiker und Mitarbeiter von Heike Hänsel (MdB für DieLinke), wies auf die Notwendigkeit eines zielgerichteten entschiedenen Widerstands hin, der auch ins Umland getragen werden muss. In diesem Zusammenhang erwähnte er auch, dass zur Großdemo gegen S21 am 11.12.10 ein Sonderzug aus Berlin eintreffen wird, sozusagen als „Gegenzug“ zum „Sonderzug gegen S21“, der Ende Oktober über 600 Projektgegner zu einer Demonstration gegen S21 in die Bundeshauptstadt gebracht hatte. Auch die Initiative „Rock gegen Stuttgart 21“ hat es sich zum Ziel gesetzt, den Widerstand ins Land zu tragen - es sind weitere Veranstaltungen u.a. in Crailsheim, Schwäbisch Hall, und Ehningen geplant. Der Erlös aus der Veranstaltung geht an eine Videoinstallation „der Wasserträger“ gegen S21 und an einen Augenverletzten vom 30. September 2010.
Jürgen Hugger, Mitglied der Parkschützer, erinnerte nochmals daran, dass dem Projekt S21 nicht nur der Bahnhof und der Schloßgarten zum Opfer fallen, sondern auch kulturelle Einrichtungen wie Die Röhre, Das Rocker und der Landespavillon. Zum Untersuchungsausschuss im Landtag bezüglich des Polizeieinsatzes am 30.9.10 berichtete er, dass nicht das gesamte Filmmaterial der Polizei vorgeführt und bewertet wird, sondern lediglich das von der Polizei angebotene Material und eventuell noch einige wenige weitere Filme. Auch gehört dem Ausschuss lediglich ein einziger grüner Abgeordneter an. Sein Fazit: Eine unabhängige Bewertung wird es nicht geben, auch keine öffentliche Übertragung der Ausschusssitzungen. Daher muss seiner Ansicht nach dieser Ausschuss als Farce gewertet werden. Zu den Schlichtergesprächen äußerte er sich ebenfalls sehr kritisch - so kritisierte er beispielsweise, dass die hinzugezogenen Wirtschaftsprüfungsunternehmen aufgrund der kurzen Zeit die Unterlagen nicht umfänglich prüfen, sondern nur Plausibilitätsproben machen konnten. Zudem mussten sie sich vertraglich verpflichten, nichts aus den Unterlagen preiszugeben, was nicht zuvor von der Bahn abgesegnet wurde - bei einer Vertragsstrafe in Höhe von 500.000 €. Er schloss seine Rede mit den Worten „ Es ist frostig, aber wir müssen raus auf die Strasse!“. Und das schon am Dienstag, 30.11.10, ab 6 Uhr. Denn da findet gegenüber des Bahnhofs-Südflügels eine Blockade der Wassermangement-Baustelle mit Blockierer-Frühstück statt.
Liane Krusche-Schnelle