Polizei räumt St. Eberhard Kirche
© Roland Hägele
Kirchenbesetzung wegen Bundeswehr-Gelöbnis
Quo vadis, Katholische Kirche? Am Sonntag begaben sich einige junge Friedensaktivisten in die St.Eberhardts-Kirche in der Stuttgarter Königstrasse, in der am 30. Juli ein Bundeswehr-Gottesdienst stattfinden soll, der das öffentliche Gelöbnis vor dem Neuen Schloss begleitet. Die jungen Leute wollten die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen, dass seit einiger Zeit vonseiten unserer Bundesregierung massive Bestrebungen im Gange sind, die verfassungswidrigen Auslandseinsätze der Bundeswehr gesellschaftsfähig zu machen. Heldenverehrung ist plötzlich wieder salonfähig und an den Schulen versucht die Bundeswehr mit verlocken- den Versprechungen, Nachwuchs für Kriegseinsätze zu rekrutieren. Die Aktivisten erklärten, dass sie bis zum Abend des 30. 7. in der Kirche bleiben wollen, um den Militär-Gottesdienst zu verhindern und diskutierten dies auch mit Gemeindemit- gliedern, die sich zum Gottesdienst versammelt hatten. Der zuständige Prälat Michael Brock verwies die Aktivisten des Hauses mit dem Hinweis, diese Aktion sei ein Akt der Gewalt, der nicht hinzunehmen ist. Auf seine Aufforderung hin fuhren mehrere Mann- schaftswagen der Polizei vor, trugen die Friedensaktivisten aus der Kirche und brachten sie ins Stuttgarter Polizeipräsidium. Ein Passant äußerte sich zu diesen Vorgängen mit den Worten: „ Früher haben sie die Waffen gesegnet, mit denen die Soldaten in den 2. Weltkrieg geschickt wurden - bis heute hat sich nichts geändert.“. Es stellt sich hier tatsächlich die Frage, was die Katholische Kirche wohl dazu bewegt, einem Gelöbnis-Gottesdienst der Bundeswehr ihre Türen zu öffnen, aber Menschen, die sich für Frieden und gegen Militarismus aussprechen und dies auch mit Zivilcourage tun, von der Polizei aus ihren Räumen entfernen zu lassen. Liane Krusche