Stoppt Tierversuche!
Tierschützer demonstrieren auf dem Schlossplatz
© Roland Hägele
Stuttgart, 25.10.2014, Liane Krusche. Von den Medien weitgehend unbeachtet protestierten heute nachmittag auf dem Schlossplatz rund 1.200 Tierschützer gegen Tierversuche im Allgemeinen, und Tierversuche am Tübinger Max-Planck-Institut im Besonderen. Bereits Anfang September 2014 gingen Bilder von Affen mit Implantaten und blutenden Wunden am Kopf durch die Presse, die ein Tierschützer, der sich als Pfleger ins Max-Planck-Institut Tübingen eingeschleust hatte, über Monate hinweg aufgenommen hatte. Es sind grausame, schockierende Bilder von gequälten leidenden Tieren, das Max-Planck-Institut (MPI) wies jedoch die Vorwürfe der Tierquälerei zurück.Friedrich Mülln von der Tierschutzorganisation SOKO moniert, dass sich die Ermittlungen zu den erhobenen Vorwürfen schleppend hinziehen, bisher wurde der Zeuge, der die Aufnahmen gemacht hat, nicht einmal vernommen. Zwischenzeitlich wurde den Tierschützern weiteres Bildmaterial aus dem MPI zugespielt, das noch schlimmere Zustände offenbart, es ist jedoch nicht bekannt, wann diese Aufnahmen entstanden.
Wie einem Info-Blatt der SOKO Tierschutz e.V. zu entnehmen ist, werden am MPI vor allem Versuche mit Rhesus- und Javaneraffen durchgeführt, die der sog. Grundlagenforschung dienen. Um diese Versuche durchführen zu können, ist es vielfach erforderlich, den Schädel aufzusägen oder Elektroden und Viren in das Gehirn einzuführen. Ein Teil der Experimente erfolgt an wachen Affen im sog. Primatenstuhl. Der Äußerung des MPI, dass die Tiere freiwillig auf diesen Stuhl gehen, widersprechen die Tierschützer vehement. Es brauche einen Halsring und eine Metallstange, um sie gewaltsam aus ihrem Käfig zu zerren und im Stuhl zu fixieren. Dort müssen sie dann stundenlang in einem dunklen schalldichten Raum sitzen und auf visuelle Reize reagieren. Damit sie „kooperieren“, werden sie nach Aussage der Tierschützer extrem durstig gehalten und bekommen nur bei richtiger Reaktion etwas Flüssigkeit zur Belohnung. Einige Tiere trinken aus purer Verzweiflung ihren eigenen Urin. Über die implantierten Kammern werden ihnen Elektroden ins Gehirn gefahren, um ihre Gehirnaktivitäten zu messen. In anderen Versuchen werde ein spezieller Virus durch die Kammer ins Gehirn injiziert - nach einigen Wochen wird das Tier getötet und sein Gehirn seziert. Jedoch führten die Ergebnisse nicht zu direkten medizinischen Lösungen in der Humanmedizin und ihre Übertragbarkeit auf den Menschen sei äußerst fraglich. Dies bestätigen auch die „Ärzte gegen Tierversuche e.V.“, die zahlreiche Faltblätter und Informationen zu diesem Thema veröffentlicht haben. Nach ihrer Auffassung ist der Tierversuch „eine unwissenschaftliche Methode, ein methodologischer Irrtum; und eine Wissenschaft, die sich auf eine falsche Methodologie stützt, kann nur eine schlechte Wissenschaft sein. Diesen Irrtum zu beseitigen ist unsere Aufgabe“. Sie weisen darauf hin, dass jedes Jahr in Deutschland über 3 Millionen Tiere in Versuchen leiden und sterben, aber 92 % der im Tierversuch für wirksam und sicher befundenen Medikamente im Test am Menschen versagen. So musste beispielsweise das Rhemamittel Vioxx, das Herzmedikament Trasylol, der Blutfettsenker Lipobay und viele andere Medikamente wegen schwerer, oft tödlicher Nebenwirkungen beim Menschen vom Markt genommen werden, obwohl sie in zuvor durchgeführten Tierversuchen als sicher eingestuft wurden.
In seiner heutigen Rede bemängelte Friedrich Mülln, SOKO, dass es in Baden-Württemberg kein Gesetz gibt, dass eine Offenlegung der Finanzierung regelt. Das Max-Planck-Institut wird mit Geldern vom Land Baden-Württemberg und vom Bund, aber auch mit Geldern aus der Wirtschaft unterstützt, jedoch geschehe dies alles im Geheimen, so dass es tatsächliche keine Kontrolle für diese außer Kontrolle geratene Forschungsmaschinerie gebe. Er verwies darauf, dass es bessere und kostengünstigere Methoden für die Grundlagenforschung gebe, nämlich freiwillige menschliche Probanden, die die Versuche ohne Todesangst, Panik und Stress durchführen könnten. Dies sei jedoch weniger attraktiv für das MPI, da man dann auch Ergebnisse und Erfolge vorweisen müsse. Bei Tierversuchen dagegen sei dies nicht der Fall, da werde Jahre und Jahrzehnte geforscht, ohne konkrete Erfolge vorweisen zu müssen.
Seine Aufforderung an die grün-rote Landesregierung Baden-Württemberg lautet:
Tierversuche im Max-Planck-Institut sofort stoppen, da sie rechtswidrig sind. Die Tiere begeben sich nicht freiwillig in die Versuchssitutation, wie vom MPI behauptet, sondern nur unter Anwendung von Zwang und Gewalt.
Einführung eines Verbandsklagerechtes. Dieses wurde von den Grünen im Wahlkampf zugesagt, bis heute jedoch nicht realisiert. Bis heute haben Tierschutzorganisationen kein Klagerecht, um die Rechte der Tiere vor Gericht einzuklagen.
SOKO fordert den grünen Ministerpräsidenten Kretschmann ausdrücklich auf, seine Hausaufgaben in Sachen Demokratie endlich zu machen.
Abschließend weist Mülln darauf hin, dass das MPI derzeit ein neues Tierversuchslabor plant (Kosten ca. 20 Millionen Euro), in dem 100 neue Tiere untergebracht werden sollen und die außer zu Tierversuchen auch zur Zucht genutzt werden sollen, um neue Versuchstiere selbst heranzüchten zu können. Die Einrichtung dieses Labors wollen die Tierschützer unbedingt verhindern.