Demokratie braucht Erinnerung
Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!

Stuttgart, 13.9.2014, L.K. Auf dem Stuttgarter Stauffenbergplatz fand heute nachmittag ein Aktionstag zum Thema „Demokratie braucht Erinnerung“ statt, den die Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V. in Zusammenarbeit mit den Mitgliedsorganisationen (mehr als 23 Initiativen und Vereine) veranstaltete. Schwerpunkt war die Forderung, das Hotel Silber zu einem Lern- und Gedenkort aufzubauen, an dem die Geschichte der NS-Zeit in Erinnerung gehalten und nachfolgenden Generationen in lebensnaher Form übermittelt werden soll. Vor über 3 Jahren war der geplante Abriss des Hotels Silber dank des Einsatzes der Initiative und vieler interessierter Bürger verhindert worden, nun soll aus der ehemaligen Gestapo-Zentrale für Württemberg und Hohenzollern ein „steinerner Zeuge“ der NS-Zeit werden. Die Stadt und das Land haben sich 2013 dazu verpflichtet, die Finanzierung eines solchen Lern- und Gedenkortes auf ca. einem Viertel der Gebäudefläche zu übernehmen.
Der Weg dorthin ist beschwerlich, die Zusammenarbeit mit dem Haus der Geschichte gestaltet sich hin und wieder schwierig, und der runde Tisch, an dem Vertreter von Land und Stadt teilnehmen, tagt in großen Abständen. Die Initiative beklagt, dass sie immer wieder einmal vor vollendete Tatsachen gestellt und nicht kontinuierlich in die Entscheidungsfindung eingebunden wird.
Seinen Namen verdankt das Hotel seinem früheren Eigentümer, dem Hotelier Silber, von 1928 bis 1984 war es durchgehend Polizeisitz. Zunächst waren das Polizeipräsidium und die württembergische Kriminal- und Politische Polizei darin untergebracht, die 1936 in „geheime Staatspolizei“ (Gestapo) umbenannt wurde. Hier wurden Menschen aufgrund ihrer politischen Einstellung, Herkunft, sexuellen Orientierung, Behinderung und anderen Gründen von den Nationalsozialisten eingesperrt, verhört, gefoltert und ermordet, und die Deportation der württembergischen Juden in Konzentrationslager organisiert. Auch an der Zerschlagung der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung beteiligte sich die hier ansässige Gestapo in Zusammenarbeit mit weiteren Behörden sowie den Personalabteilungen insbesondere der großen Rüstungsbetriebe.
1945 zog das Polizeipräsidium, in dem auch ehemalige Gestapo-Beamte und SS-Mitglieder eingesetzt wurden, wieder ins Hotel Silber und die Diskriminierung und Ausgrenzung von Homosexuellen, Sinti, Roma und KPD-Mitgliedern wurde wiederum von diesem Haus aus betrieben.
Bis heute wurde dieses schwarze Kapitel der deutschen Geschichte nicht aufgearbeitet; zu dieser dringend nötigen und längst überfälligen Aufarbeitung soll das Haus nun beitragen, dort soll die Geschichte fühlbar und nachvollziehbar dargestellt werden und das Gebäude ein mit Leben gefülltes Mahnmal sein.
Vertreter der Grünen, der LINKEN und der SPD sprachen Grußworte an die versammelten Bürger, wobei Christoph Ozasek, Stadtrat der Linkspartei, besonders das große Engagement der ehemaligen Stadträtin für DIE LINKE Ulrike Küstler hervorhob, die sich über Jahre hinweg unermüdlich für den Erhalt des Hotel Silber eingesetzt hatte. Harald Stingele von der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber erwähnte „im Interesse der historischen Chronologie“, dass die Fraktion SÖS/LINKE die Ersten im Stuttgarter Rathaus waren, die für dieses Anliegen ein offenes Ohr hatten und die Initiative unterstützten.
Die „Marbacher Songgruppe“ begleitete die Veranstaltung mit politischen Liedern, die zum Nachdenken anregten und das Thema des Aktionstages auf musikalische Art unterstrichen.

Liebe Freundinnen und Freunde der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V.,
zum zweiten Mal vor dem 2015 beginnenden Umbau öffnet das „Hotel Silber“ in der Dorotheenstraße 10, seine Türen für die Öffentlichkeit. Neun Veranstaltungen bieten im historischen Gebäude, am Sitz der Gestapozentrale für Württemberg-Hohenzollern, Polizeisitz ab 1928 und gleich wieder nach 1945, ein interessantes Spektrum an Themen, verbinden den Blick auf die Geschichte mit Fragen der Gegenwart.  Organisiert wird die Reihe vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg, von der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V. sowie vom Stadtmuseum Stuttgart.
Nachstehend finden Sie die Ausschreibungstexte der ersten drei Veranstaltungen, danach eine Übersicht übers ganze Veranstaltungsprogramm. Dort sehen Sie auch, welche Veranstaltungen von unserer Initiative und welche vom Haus der Geschichte geplant wurden. Im Anhang finden Sie den Flyer zum Veranstaltungsprogramm als PDF.
Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei, eine Anmeldung ist erforderlich: Telefon 0711/212-3989 oder E-Mail: besucherdienst@hdgbw 
Beste Grüße im Namen des Vorstandes der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V.
Harald Stingele und Elke Banabak
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24. September 2014, 19 Uhr
DIE GESTAPO IM „HOTEL SILBER“ –
FAKTEN UND FIKTIONEN
 
DIE GESTAPO gilt als Inbegriff des Terrors, der Willkür und
der Exzesse des NS-Unrechtsregimes. Aber was war das für
eine Behörde, die uns noch 70 Jahre später derart beschäftigt?
Wie entstand sie, wer arbeitete für sie, und welche Aufgaben
nahm sie wahr? Ein Überblicksvortrag geht diesen grund -
legenden Fragen nach. Betrachtet werden auch die Vorstel -
lungen und Bilder, die in der Nachkriegszeit von der Gestapo
entstanden – sie spiegeln Motive der Auseinandersetzung
mit dem NS-Regime wider und prägen unser Verständnis
von der Gestapo bis heute.
Überblicksvortrag von Sarah Stewart
und Friedemann Rincke
(Haus der Geschichte Baden-Württemberg,
Projektgruppe „Hotel Silber“).

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Stadtrundgang 26. September 2014, 17:30 Uhr
AUF DEN SPUREN DER GESTAPO
IN STUTTGART
DIE GESTAPO verbreitete Furcht und Schrecken unter der
Bevölkerung. Bespitzelungen und Einschüchterungen,
Verhaftungen und Misshandlungen, Einweisungen in Arbeitserziehungs-
und Konzentrationslager sowie die Beteiligung
an unzähligen Tötungsverbrechen gehörten zu ihrem Geschäft.
Dieses wurde mitten in Stuttgart geplant und organisiert.
Die speziell zur Gestapo im „Hotel Silber“ entwickelten
Rundgänge erkunden das Netzwerk der Behörde in der
Innenstadt und eröffnen einen neuen Blick auf die Stadt.
 
26. September 2014, 17:30 Uhr
Mit Janka Kluge, Vorstandsmitglied der
Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V.,
Landessprecherin der VVN-BdA
Treffpunkt: Landgericht Stuttgart,
Urbanstr. 20, 70182 Stuttgart
Dauer: ca. 2 Stunden
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt
 
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8. Oktober 2014, 19 Uhr
ZEITZEUGEN IM FOKUS –
FRANZ HIRTH UND ERICH SCHWARZ
 
DIE STUTTGARTER Franz Hirth und Erich Schwarz waren
beide noch Kinder als ihre Eltern von der Gestapo verhaftet
und zum Verhör ins „Hotel Silber“ gebracht wurden. Ihre
Erlebnisse im und um das „Hotel Silber“ lassen sie bis heute
nicht los. Auf welches Interesse stießen und stoßen ihre
Erzählungen aus der Zeit des Nationalsozialismus? Was
zeichnet ihre Erfahrungsberichte aus? Und welche besonderen
Qualitäten haben Zeitzeugenberichte im Vergleich zur
Vermittlung reiner Fakten? Über diese Fragen und ihre
Lebensgeschichten sprechen die Zeitzeugen an dem Abend.
Dabei soll es auch darum gehen, welche Bedeutung Zeit -
zeugen in der historisch-politischen Bildung zukommt.
Das Gespräch wird moderiert von Prof. Dr. Wolf Ritscher
(Dipl.-Psychologe mit dem Arbeitsschwerpunkt psychologische
Folgen des Nationalsozialismus).
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Übersicht über alle Veranstaltungen in dieser Reihe: 
Geplant vom Haus der Geschichte:
• Die Gestapo im „Hotel Silber“ – Fakten und Fiktionen. Vorträge am 24. September 2014, 19 Uhr
• Gespräch mit Lehrerinnen und Lehrer im „Hotel Silber“. 5. November 2014, 18 Uhr
• Das Phänomen Denunziation. Vorträge am 19. November 2014
• Die Geschichte des „Hotel Silber“ in zehn Objekten. Vorträge am 25. November 2014
Geplant von unserer Initiative:
• Auf den Spuren der Gestapo in Stuttgart. Führung am 26. September 2014, 17.30 Uhr, und am 21. März 2015, 11 Uhr
• Zeitzeugen im Fokus – Franz Hirth und Erich Schwarz. Podiumsgespräch am 8. Oktober 2014, 19 Uhr
• „Zum Schrecken der Homosexuellen Stuttgarts…“ – Die Verfolgungsgeschichte der Homosexuellen von der Weimarer Republik bis in die Nachkriegszeit. Vorträge und Gespräch am 28. Oktober 2014, 19 Uhr
• Evangelische Kirche im Nationalsozialismus – Eine zwiespältige Vergangenheit. Diskussion am 13. November 2014
• Wie schützt sich die Demokratie – Sichtweisen auf den NSU-Komplex. Diskussion am 9. Dezember 2014