CSD-Sommerfest im Schlossgarten
Unter dem Motto „Wir machen Aufruhr“ veranstaltet die IG CSD Stuttgart e.V. zum 3. Mal ihr Sommerfest

Stuttgart, 15.6.2014 / Liane Krusche. Bei angenehmen Temperaturen und in entspannter Atmosphäre fand am Wochenende das 3. Sommerfest des CSD statt. Das Thema „Vielfalt“ und „Diversität“ zog sich auch durch das Programm, es gab Musik, Comedy, Politischen Talk und eine Travestie-Show. Die Besucher waren bunt gemischt, unter gleichgeschlechtliche Paare mischten sich viele Familien und Hetero-Paare, die Stimmung geprägt von gegenseitiger Akzeptanz und Freundlichkeit. Dieses selbstverständliche Miteinander ist in einer Zeit, in der rechte Kräfte das Thema Homosexualität für sich instrumentalisieren wollen und eine neue Hetzkampagne in Baden-Württemberg losgetreten haben, wichtiger denn je. Wie Erna Mijnheer, Vorstandsmitglied der IG CSD Stuttgart e.V., berichtet, erlebt sie immer wieder auch das Gegenteil von Akzeptanz, wenn sie beispielsweise auf der Stuttgarter Königstrasse einen Info-Stand betreut und dort von Passanten zu hören bekommt: „Ihr gehört alle vergast“. Sie erklärt sich die Feindseligkeit u.a. damit, dass bei den Leuten vor allem das Wort „Sex“ hängenbleibt, wenn von Homosexualität die Rede ist, und in den Köpfen die Vorstellung eines ausufernden Sexuallebens entsteht, das abgelehnt wird. „Meine Lebenspartnerin und ich leben wahrscheinlich viel konservativer, als viele Andere“, sagt sie lachend und betont, dass die Grundlagen ihrer Partnerschaft in einem tiefen Vertrauen und großer Zuneigung zueinander liegen.
Seit die rot-grüne Landesregierung den Arbeitsleitfaden zu einem neuen Bildungsplan vorgelegt hat, der auch sexuelle Vielfalt und andere Lebensformen als die gesellschaftlich etablierten berücksichtigen soll, ist in Stuttgart eine Welle der Homo-Phobie entstanden, die sich offenbar vor allem aus Vorurteilen und falschen Vorstellungen speist. Die Debatte über die Akzeptanz von Homosexualität kocht erneut hoch und wird vom rechten Politspektrum - allen voran der AfD - angestachelt. Die würde Homosexualität am liebsten wieder unter Strafe stellen und damit die Aufklärung und Entwicklung der letzten Jahrzehnte rückgängig machen. Damit steht sie in einer Reihe mit der rechtsradikalen Entwicklung, die in Frankreich zur Zeit stattfindet, wo es laut Erna Mijnheer inzwischen wieder öfter vorkommt, dass Homosexuelle auf der Straße verprügelt werden. Hier ist die Politik, vor allem auch jeder Einzelne in unserer Gesellschaft, gefordert, um diese ideologisch verbrämte Debatte wieder auf eine sachliche Ebene und zu einem echten menschlichen Miteinander zu bringen.
Der Verein hat eine ausführliche lesenswerte Broschüre herausgebracht, die sich diesen Themen widmet und ein tieferes Verständnis für die Probleme der Ausgrenzung weckt, denen sich die Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung aus dem gesellschaftlich tolerierten Rahmen fallen, täglich stellen müssen. Sie enthält einen Forderungskatalog, der darauf abzielt, diese Menschen als selbstverständlich zur Gesellschaft gehörende Individuen wahrzunehmen und zu akzeptieren. Auch Johann Wolfgang von Goethe wird darin zitiert, der sehr zutreffend sagte: „Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein; sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen“. Diese Anerkennung sollte in einer zivilisierten, aufgeklärten Gesellschaft selbstverständlich sein.
Dafür setzt sich der Verein mit viel Engagement und Herzblut ein. Die diesjährige Veranstaltungsreihe, zu der auch eine Eröffnungsgala im Großen Kursaal Bad Cannstatt am 19.Juli 14 und eine Polit-Parade mit Kundgebung in Stuttgart am 26.7.14 gehören, wird von einem 10-köpfigen Team organisiert, das von vielen Helfern unterstützt wird. Für jede weitere helfende Hand und natürlich auch für finanzielle Unterstützung ist der Verein dankbar.