Widerstand+
Protest gegen S21 ungebrochen
Sie haben die eisige Kälte nicht gescheut. Zehntausende S21-GegnerInnen versammelten sich am Samstag, den 29.1.2011, zur ersten Großdemo gegen S21 im Neuen Jahr vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof und zogen nach der Kundgebung in einem langen Demonstrationszug durch die Stuttgarter Innenstadt. Ungebrochen ist ihr Widerstand gegen das milliardenschwere Tiefbahnhof-Projekt, das Ministerpräsident Mappus ungeachtet der immer weiter steigenden Kosten und bekannt gewordenen Risiken und Mängel in die Tat umsetzen will. In dicke Mäntel und leuchtendgrüne K21-Mützen und –Schals gepackt trugen sie über Stunden hinweg ihren Protest erneut auf Stuttgarts Strassen. Das Schlusslicht des Zuges bildete ein ausrangierter Wasserwerfer, den Parkschützer gekauft und mit den Aufschriften „Tränen lügen nicht! –Gelogen wird erst hinterher“, „Erleben Sie die Führungs-Spritze der CDU!“, „Mit Hochdruck gegen Bürger und Demokratie“ und „30.9. – und keiner war’s“ versehen hatten. Damit zog das Gefährt viel Aufmerksamkeit und Zuspruch der DemonstrantInnen auf sich.

Der Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Verkehrsausschusses Winfried Hermann (Grüne), Regisseur Klaus Hemmerle und Matthias Oomen, Bundespressesprecher des Fahrgastverbandes PRO BAHN traten als Redner auf. Die Forderung nach einer anderen Politik – mehr Transparenz und vor allem mehr Bürgerbeteiligung und Demokratie – wurde laut. „Wahltag ist Zahltag“, „-Tunnelparteien abwählen“ ist auf den Plakaten der GegnerInnen zu lesen.

Stadtrat Hannes Rockenbauch (SÖS) brachte es in einem Interview, das er der ARD gab, auf den Punkt: „Wir haben jetzt die geniale Chance, nach 57 Jahren schwarz-gelb vielleicht wegzukriegen, und die werden wir nutzen. Aber egal, wie die Wahl ausgeht – die Proteste werden weiter gehen. Wir wollen diesen schlechten Bahnhof nicht.“

Verkehrsministerin Gönner kritisierte laut Stuttgarter Nachrichten die Proteste, weil es den DemonstrantInnen nicht mehr nur um den Bahnhof, sondern um die Landtagswahl am 27.3.11 gehe. Derweil stärkte Bundeskanzlerin Angela Merkel ihrem Parteifreund Stefan Mappus den Rücken, indem sie erklärte, er müsse Ministerpräsident von Baden-Württemberg bleiben.

29.01.2011 Liane Krusche