Bürgerversammlung Stuttgart Ost
Offener Brief zur Bürgerversammlung am 21.07.2010.
Der Bezirksbeirat Stuttgart-Ost hatte geladen, sowohl den Sprecher von S 21, Herrn Drexler, als auch die Bürger. Er hatte den Menschen, die im Osten leben oder arbeiten (so wie ich) Aufklärung über die Situation während der Bauzeit versprochen und wohl auch erhofft. Allein der Abend erfüllte die Erwartungen nicht, Bezirksbeirat und Anwohner erhielten Antworten, die keine waren. Inhalt und Art der Antworten, sowie die Körpersprache von Herrn Drexler verrieten die tiefe Verachtung für jeden Wunsch nach Information. Wo es konkret werden sollte, hörte man Satzteile wie: …ist vorgesehen, … ist abhängig vom Bauverlauf, …ist jetzt nicht vorhersehbar, …muss die Stadt beantworten, …wird an die Bahn weitergeleitet, …dazu wird es einen Brief geben, … das betrifft nicht den Osten, nur Gebiet Willi Brandt Strasse, …ist rechtskräftig beschlossen, … die Betroffenen sind informiert, sie werden zwei Wochen vor Baubeginn angeschrieben usw. Dazwischen leiert Herr Drexler unbestimmt über Baustrassen, Förderbänder, Rohrleitungen, Wassermanagement zur Sicherung des Grund- und Mineralwassers oder dass die Bahn für Schäden entschädigt. Nur wer sich schon vorher informierte, konnte ermessen, dass auf den Stadtteil, besonders auf die Taltrasse Zumutungen in noch nicht gekanntem Ausmass zukommen werden. Und das für ein Projekt, - das niemand braucht, am wenigsten die Bahn; - das keinem nützt, ausser Investoren, Banken und einem weiter vom Börsengang träumenden Bahnvorstand; - das Umweltschäden bringt; - dessen Kosten explodieren werden, das die öffentlichen Haushalte von Stadt, Land und Bund immens belasteten wird und infolge dessen Einsparungen in Bildung, Förderung und sozialen Standards kommen werden und damit eine weitere Vertiefung der gesellschaftlichen Spaltung. Auf einen Aspekt ging Herr Drexler an diesem Abend ausführlich ein: auf die „einmalige Chance“ für die Stadtentwicklung und die 5 000 neu gepflanzten Bäume (wo soll dieser Wald Platz finden?) Er ging jedoch nicht darauf ein, dass sich immer mehr Städtebauexperten (auch von der Uni Stuttgart) zu Wort melden, die die S 21-Planung konzeptionslos, ideenlos und bestenfalls für mittelmässig halten, oder wie Herr Dürr (ein Vater von S 21) es ausdrückte: „leider sehr, sehr konservativ.“ Auffällig an diesem Abend war vor allem das, was Herr Drexler nicht sagte, so z.B. S 21 sei alternativlos für die Bahninfrastruktur der Zukunft. Nun, das kann er auch nicht mehr sagen, nachdem Ergebnisse der immer noch geheim gehaltenen SMA-Studie des renommierten Züricher Büros bekannt wurden. Ich hätte dies alles gerne an jenem Abend gesagt, aber es waren nur drei Fragen von Bürgern zugelassen. Margarete Klingler-Lauer