256. Montags-Demo gegen S21
Geld regiert die Welt
Stuttgart, 19.1.2015, L.K. Auch bei Nieselregen und ungemütlichen Temperaturen versammelte sich heute wieder eine große Zahl von S21-Gegnern auf dem Schlossplatz, um an der 256. Montags-Demo teilzunehmen. Unter dem Motto „S21 zerstört die Stadt und ruiniert das Land“ meldete sich der Sprecher der Bürgerinitiative Talheim 21, Dietmar Meintel, zu Wort. In dem idyllischen Örtchen, einem Stadtteil von Horb, brodeln die Emotionen und die Bürgerschaft dürfte ähnlich gespalten sein wie die Stuttgarter Bürgerschaft, seit im November 2014 der Horber Gemeinderat in einer Patt-Abstimmung beschloss, die Pläne für eine Teilbefüllung des stillgelegten Steinbruchs im Ortsteil Talheim weiter zu verfolgen und in nähere Verhandlungen dazu mit dem Steinbruchbesitzer, der Fa. Gebr.Kaltenbach, zu treten. Zwar regle laut Meintel ein grundbuchrechtlich eingetragener Vertrag zwischen dem Besitzer und der Stadt Horb, dass hier weder per Lkw Schotter abgefahren, noch irgendwelches Auffüllmaterial eingebracht werden darf, doch dieser Vertrag gelte nun offenbar nicht mehr. Die Fa. Gebr.Kaltenbach hatte im Vorfeld der Stadt einen Betrag von 900.000 EUR als Beitrag für die geplante Sanierung des alten Dorfkerns in Talheim in Aussicht gestellt, falls der Gemeinderat einer Auffüllung des Steinbruchgeländes zustimmt. Den Vorwurf der Bestechlichkeit wies der Horber OB Peter Rosenberger laut einem Bericht des Schwarzwälder Boten vom 26.11.2014 zurück. Und aus einem Artikel der Stuttgarter Zeitung vom selben Tag geht hervor, dass die Baufirma zuversichtlich ist, die Bedenken zum Naturschutz ausräumen zu können

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In den vergangenen Jahren hat sich die Natur den Steinbruch zurückgeholt, es leben mehrere geschützte Tierarten dort, darunter auch der selten gewordene Uhu. Teile des Geländes sind sogar als Biotop kartiert - eine wahre Idylle also, doch damit soll es nach dem Willen des Gemeinderates bald vorbei sein.
Dietmar Meintel schildert in seiner Rede, wie sich die Situation in der Praxis für die Talheimer darstellen wird, falls es wirklich zur anstehenden Auffüllung des ehemaligen Steinbruchs kommt. Der Ort liegt im Tal, und um den Steinbruch zu erreichen, müssen in den nächsten 5 Jahren an die 200.000 schwer beladene Lkw auf der schmalen Dorfstrasse, die stellenweise nur 5-6 m breit ist und nicht einmal Gehwege auf beiden Seiten hat, mitten durchs Dorf fahren, dies täglich von morgens bis spätabends. Die Kindergarten- und Schulkinder müssen diese Strasse auf ihrem Weg zum Kindergarten und zur Schule überqueren. Die Ein- und Ausfahrt ins Dorf kann nur über steile Serpentinen erfolgen, die nicht im Gegenverkehr befahrbar sind, so dass der Gegenverkehr anhalten und warten muss, bis die Serpentine wieder frei ist.


Bereits seit einigen Jahren gibt es plötzliche Setzungen im Dorf, z.B. sackt an einigen Stellen die Strasse ab, manche Talheimer vermuten als Ursache veränderte Wasserläufe, die vom Steinbruch herrühren sollen. Und natürlich gebe es nun Ängste, was vielleicht passieren wird, wenn mit Gipskeuper versetztes Material im Steinbruch eingebaut wird. Bereits jetzt seien die Häuser im Ortskern von Talheim praktisch nicht mehr verkaufbar.


Meintel ging auch auf den Umstand ein, dass bei der Volksabstimmung zu S21 sich eine große Mehrheit der Talheimer BürgerInnen für den Bau von S21 ausgesprochen hat, seiner Auffassung nach sassen sie jedoch einer politischen Täuschung und einem Durchdrücken von Interessen nach dem Motto „Geld regiert die Welt“ auf. Die überwiegende Mehrheit der Bürger habe an der Abstimmung jedoch gar nicht teilgenommen. Er verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass sich die Entscheidungsträger nochmals objektiv überlegen, ob es richtig ist, dieses Projekt in allen Formen und Varianten durchzudrücken, egal wie hoch die Schäden für Mensch und Umwelt sind und egal, mit welchen Folgekosten die nächsten Generationen zu leben haben.
Durch die Kundgebung moderierte heute Dr.Norbert Bongartz vom Aktionsbündnis gegen S21, für die musikalische sehr gute Stimmung sorgte Reiner Weigand & Capella Rebella.