Dauer-Mahnwache für den Bahnhof
Parkschützer stellen sich gegen Abriss
Seit Samstag, 17. Juni, ist der Widerstand gegen Stuttgart 21 rund um die Uhr vor dem Nordflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs präsent: Aktivisten der Parkschützer halten eine Dauermahnwache gegen den Abriss des denkmalgeschützten Bonatz-Baus ab, der im August geplant ist. Ein Zelt spendet Schatten, junge Familien essen und trinken, immer wieder kommen Passanten vorbei, schreiben ihren Protest und ihre Bedenken gegen das Milliardenprojekt mit Kreide auf den Bahnhofsvorplatz, einige bleiben für Minuten, andere stundenlang.
Der Grund für den überstürzten Abrissplan ist nach einer Pressemitteilung der Parkschützer, dass das Bundesverkehrsministerium  die aktualisierte Neuberechnung der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm solange verheimlichen will, bis in Stuttgart durch den Abriss unumkehrbare Tatsachen geschaffen sind. Das Ministerium hat die Kosten neu berechnen lassen, und, wie bei Stuttgart 21, wird auch dieses Projekt deutlich teurer als die bisher veranschlagten 2 Mrd. €. Durch die Neuberechnung sinkt der Kosten-Nutzen-Faktor der Neubaustrecke erheblich, daher muss sie gemäß den Sparvorgaben der Bundesregierung gestrichen werden. Damit ist die Neubaustrecke nicht mehr zu halten.
„Die aktualisierten Kosten für die Neubaustrecke müssen jetzt auf den Tisch, bevor die Abrissbagger zum Zuge kommen und bevor das Projekt wieder billig gerechnet wird durch dünnere Schienen oder ähnliche Schwabestreiche. Ohne die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm ist der Tiefbahnhof Stuttgart 21 nicht nutzbar: Die Gleise Richtung Ulm würden ohne Anschluss auf den Fildern enden“, sagt Matthias von Hermann, Pressesprecher der Parkschützer. „Deshalb versucht die Politik einerseits, die neue Kostenrechnung geheim zu halten, andererseits soll  der Nordflügel des Bahnhofs jetzt in kürzester Zeit abgerissen werden, um unumkehrbare Tatsachen zu schaffen. So soll der Bau von Stuttgart 21 entgegen aller Fakten erzwungen werden.“
Deshalb wird der Bahnhof bewacht, Tag und Nacht. Schon in der ersten Nacht waren durchgehend 10 bis 20 Personen anwesend. So wird ein Forum für alle Stuttgarter Bürger geschaffen, die sich deutlich sichtbar gegen die Abrisspläne und das überteuerte, unberechenbare Riesenprojekt zu stellen und die Offenlegung der Kosten einzufordern. Jeder Stuttgart-21-Gegner ist willkommen und aufgerufen sich zu beteiligen und so dem Protest noch mehr Nachdruck zu verleihen.Ired.I