Bildungsstreik | Bildungsdemo in Stuttgart
Dem System das Fürchten lehren
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Leere Versprechungen, kleine Happen an Reförmchen und die Taktik des Aussitzens waren die Antworten der Politik auf die Aktivitäten der Studierenden und SchülerInnen auf den Bildungsstreik im vergangenen Jahr. In ganz Deutschland und darüber hinaus wurden Hörsäle besetzt, von Kiel bis Freiburg, von Dortmund bis Wien. Vielfältige Aktionen, mit hohem kreativen Potential bescherten uns ein kämpferisches Jahr auf den Straßen. Man hat allerdings den Anschein, dass einige Monate später davon nicht mehr all zu viel zu sehen ist.

Die Probleme im Bildungssytem bleiben weiterhin bestehen: die Studiengebühren sind in einigen Bundesländern immer noch am Leben, die Öffnung der Masterstudiengänge hat nicht stattgefunden und die Verflechtung von Kapitalinteressen mit Forschung und Lehre nimmt weiter fröhlich seinen Lauf. Auch im schulischen Bereich bleibt alles beim Alten. Dabei sind gerade Baden-Württemberg und Bayern zwei Länder, die harsch am selektiven Mechanismus des Schulsystems festhalten. Selektion nach der vierten Klasse bleibt die Praxis der Kultusministerien, während die kümmerlichen Schritte in Richtung „Werkrealschule“ kompensiert werden durch den enormen Ausbau der privaten Schulen.

Die Bewegung ist jedoch lange nicht am Ende. Zum 9. Juni rufen Studierende, SchülerInnen, Auszubildene, Gewerkschaften sowie weitere Organisationen zu einem bundesweiten Aktionstag gegen die miserablen Zustände im deutschen Bildungssystem. In mehreren Städten Baden-Württembergs wird es verschiedenste Aktionen geben, so ruft auch die Elternorganisation „Schule mit Zukunft e.V.“, darunter in Stuttgart und Heilbronn, zu abendlichen Protestveranstaltungen auf.

Das Stuttgarter Bildungsstreik-Bündnis, das mit dem Motto „Dem System das Fürchten lehren“ die Menschen zur Demonstration mobilisieren möchte, versucht bewusst in ihren Forderungen das ganze Spektrum der Bildungspolitik abzudecken. So finden sich Forderungen sowohl aus dem hochschul- und schulpolitischen Bereich, als auch Forderungen aus dem Bereich der Ausbildung und der Praktikumsproblematik. Als BündnispartnerInnen mit im Boot finden sich SchülervertreterInnen, Mitglieder migrantischer Jugendorganisationen, parteinahe Jugendorganisationen wie Linksjugend, Jusos und Grüne Jugend, sowie AktivistInnen der Uni Stuttgart und der PH Ludwigsburg.

Ob die Mobilisierung den gleichen Grad erreichen wird, wie das noch letzen Sommer gewesen ist, wird der kommende Mittwoch zeigen. Die Beteiligten sind jedenfalls hochmotiviert und verteilen schon fleißig Flyer an Schulen und Betrieben. Die Demonstration in Stuttgart beginnt am 9. Juni um 10 Uhr in der Lautenschlagerstraße am Stuttgarter Hauptbahnhof und wird am Schlossplatz zu einer Abschlusskundgebung ihr Ende finden. Parallel dazu gibt es an der Universität Stuttgart ein Bildungscamp, das mit Vorträgen und Diskussionen das Thema am brennen halten will. Am 25./26. Juni wird es ebenfalls im Rahmen der Bildungsproteste ein von linken Jugendorganisationen veranstalteten Bildungs- und Aktionskongress in den Räumen der Universität Stuttgart geben. Anmelden kann man sich unter bildungskongressbw.blogsport.de | Daniel Behrens |